Romologie ist ein wissenschaftliches Fachgebiet, das sich mit der Erforschung der Sprache, Bräuche und Kultur der Roma beschäftigt. Der theoretische Rahmen ist interdisziplinär: Es kommen Methoden zum Einsatz, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Roma-Gemeinschaft in Europa und Serbien – in historischer wie gegenwärtiger Perspektive – ermöglichen. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf dem Abbau von Stereotypen, Vorurteilen sowie rassistischer, geschlechtsspezifischer und sonstiger Diskriminierung gegenüber Romnja und Roma. Zu diesem Zweck werden Daten aus wissenschaftlicher Literatur, Medienanalysen, Geschlechterstudien sowie aus unterschiedlichen Untersuchungen innerhalb staatlicher Institutionen und zivilgesellschaftlicher Organisationen herangezogen. (Vgl. ausführlich: Danijela Radović (2018): „Die Schule der Romologie an der Universität Novi Sad als Beispiel interkultureller Hochschulbildung in der Roma-Gemeinschaft“. In: Interkult 2017, Pädagogisches Institut der Vojvodina, Novi Sad, S. 133–149.)
Auf Vorschlag der FSF wurde im Juli 2004 an der Universität Novi Sad in Zusammenarbeit mit der FSF die Schule für Romologie als ein experimentelles Weiterbildungsprogramm für Studierende aus der Roma- und Nicht-Roma-Gemeinschaft in Vojvodina ins Leben gerufen.
Das Ziel der Schule war es, eine homogene Gruppe von Teilnehmer*innen aus beiden Gemeinschaften zu bilden, die grundlegende Kenntnisse der Romologie als interdisziplinäres wissenschaftliches Fachgebiet erwerben, Teamarbeitstechniken erlernen, für interaktiven Unterricht qualifiziert werden und in der Lage sind, ein breiteres öffentliches Bewusstsein für die Bedürfnisse der Roma-Gemeinschaft zu schaffen.
Die Schule wurde neun Jahre in Folge durchgeführt – vom Studienjahr 2004/2005 bis 2012/2013 als Weiterbildungsprogramm an der Universität Novi Sad mit einem Umfang von 32 Unterrichtseinheiten, gegliedert in vier Module: Sprache, Kultur, Geschichte sowie Wohnen und Demografie.
Eine Voraussetzung für die Teilnahme war mindestens ein abgeschlossener Sekundarschulabschluss. Die Teilnehmenden konnten jedoch auch über einen Master- oder Doktorgrad verfügen, entscheidend war ihr Interesse an den behandelten Themen. Von den Teilnehmerinnen wurde erwartet, dass sie drei Bedingungen erfüllen: die Teilnahme an mindestens der Hälfte aller Unterrichtseinheiten, die Mitarbeit an einem betreuten Teamforschungsprojekt sowie das Verfassen einer Abschlussarbeit (einzeln oder in Gruppenarbeit), begleitet durch einen Mentor*in, mit anschließender öffentlicher Präsentation. Für die erfolgreiche Teilnahme erhielten sie ein vom Rektor der Universität Novi Sad unterzeichnetes Zertifikat.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Einbindung von Lehrkräften aus der Roma-Elite gelegt, insbesondere in den vier thematischen Modulen. Bevorzugt wurden junge Roma-Expert*innen, die die Schule für Romologie zuvor selbst absolviert hatten.
Professorin Emerita Svenka Savić
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